Rüstungsatlas Thüringen

Materialien

Bundeswehr in Thüringen

Die Neuausrichtung der Bundeswehr bedeutet für die Thüringer Standorte zwar einen quantitativen Rückgang von Dienstposten auf rund 6.500 Soldat_innen, jedoch einen qualitativen Zuwachs an militärischer Bedeutung des Bundeslandes für die Bundeswehr. An den einzelnen Standorten im Rüstungsatlas Thüringen kann nachgelesen werden, welche Einheiten mit welchen Aufgaben in Thüringen für die künftigen Einsätze der Bundeswehr im Inneren sowie im Ausland stationiert sind. Schwerpunkte des Militärstandortes Thüringen sind Logistik, Heeresausbildung und Einsatz für das Ausland, Drohnen und Reservist_innen für den Einsatz im Inneren. (Dem Thema Nachwuchsgewinnung der Bundeswehr in Thüringen ist ein eigener Text gewidmet.)

In Thüringen befinden sich weder Einheiten der Marine noch der Luftwaffe (Ausnahme ist das der Luftwaffe unterstellte Musikkorps in Erfurt). Insbesondere das Heer und die Streitkräftebasis sind in Thüringen jedoch präsent. Die größte Bedeutung für künftige Kriegseinsätze dürfte dabei das in Erfurt neu geschaffene Logistikkommando der Bundeswehr haben, das die gesamte Logistik – ein militärisches Herzstück – koordinieren wird. Unter anderem die Materialrückverlegung aus Afghanistan wird von hier aus organisiert.

Einen großen Fußabdruck in Thüringen hinterlassen Teile der Panzergrenadierbrigade 37 "Freistaat Sachsen" mit Stabssitz in Frankenberg/Sachsen. Die Panzergrenadierbrigade gehört zur Division Süd in Veitshöchheim bei Würzburg, die Anfang 2015 in 10. Panzerdivision umbenannt wird. Neben der 10. Panzerdivision wird das deutsche Heer dann noch über die Division Schnelle Kräfte in Stadtallendorf und die 1. Panzerdivision in Oldenburg verfügen. Vorrangige Aufgabe der rund 5.000 Personen umfassenden Panzergrenadierbrigade 37 ist der Auslandseinsatz; Soldat_innen der Brigade haben an fast allen größeren Auslandseinsätzen (insbesondere im Kosovo und Afghanistan) teilgenommen und nehmen weiter daran teil. In Thüringen unterstehen der Brigade das Panzergrenadierbataillon 391 (Bad Salzungen), das Panzerbataillon 393 (Bad Frankenhausen), das Aufklärungsbataillon 13 (Gotha), das Panzerpionierbataillon 701 (Gera) und das Versorgungsbataillon 131 (Bad Frankenhausen, Bad Salzungen, Gotha). Damit stellen die in Thüringen der Panzergrenadierbrigade 37 untergeordneten Truppen einen Großteil der Gesamtzahl der in Thüringen stationierten Soldat_innen, die für die Auslandseinsätze der Bundeswehr mit Soldat_innen vor Ort von Bedeutung sind.

Das der Panzergrenadierbrigade 37 "Freistaat Sachsen" ebenfalls unterstellte Aufklärungsbataillon 13 in Gotha ist aufgrund der aktuellen Auseinandersetzungen zum Thema Drohnen auch für künftigen Widerstand beachtenswert. Mit den Heeres-Drohnen LUNA, Mikado, KZO und ALADIN ausgestattet, übt das "Drohnenbataillon 13" mit anderen in- und ausländischen Drohnenverbänden auf dem thüringischen Truppenübungsplatz Ohrdruf den Einsatz der neuen Kriegswaffen. Neben Ohrdruf verfügt Thüringen über weitere Standortübungsplätze (Gotha, Drosselberg-Erfurt, Bad Salzungen, Bad Frankenhausen, Sondershausen, Pionierwasserübungsplatz in Crossen). Auch der im Einzugsgebiet von Gera befindliche Zeitzer Forst (Sachsen-Anhalt) mit den geplanten Schießanlagen und der wahrscheinlich in Mühlhausen zu schließende Standortübungsplatz Forstberg sind hier zu nennen.

Schließlich gibt es auch in Thüringen neue Strukturen der Reservist_innen. Vom Landeskommando in Erfurt aus werden die ebenfalls in Erfurt stationierte RSU-Kompanie befehligt und das Bezirksverbindungskommando bzw. die Kreisverbindungskommandos in den Landratsämter und Katastrophenschutzbehörden, die über das gesamte Bundesland verteilt sind, koordiniert. Damit sind Voraussetzungen für eine Normalisierung des Militäreinsatzes bei Unwetterkatastrophen geschaffen, was gegebenenfalls zu einer weiteren Aufweichung der Hürden führen könnte, die durch das Grundgesetz vor einen Einsatz der Bundeswehr im Inneren aufgestellt wurden.