Rüstungsatlas Thüringen

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Rüstungsindustrie in Deutschland und in Thüringen

Auf den ersten Blick sind es gegenläufige Tendenzen: weniger und größer werden die zentralen Konzerne der weltweiten Rüstungswirtschaft; internationaler, wichtiger und vielfältiger werden die kleinen Rüstungsbetriebe. Konzentration und Konsolidierung der Branche stehen also deren Diversifizierung gegenüber.

Es ist das erklärte Ziel der Europäischen Kommission sowie auch der Bundesregierung, die Zahl der Unternehmen, die mit Waffen und Kriegszubehör ihr Geld verdienen, zu reduzieren. Hierzu wird ein gemeinsamer europäischer Rüstungsmarkt geschaffen. "Nicht mehr zehn Panzerhersteller, sondern nur noch zwei", lautet die Kurzformel dieses Versuchs. Motiviert ist er dadurch, dass die Aufrechterhaltung kleiner nationaler Lösungen und Sonderwege vor allem Geld kostet und Kompatibilitätsprobleme birgt, die einen gemeinsamen Einsatz einer europäischen Armee schwierig gestalten. Die EU fördert also die Fusionen der Rüstungsunternehmen. Dem entgegen steht selbstverständlich der nationale Anspruch, wie ihn beispielsweise die deutsche Regierung verfolgt, die immer noch gern von der Aufrechterhaltung einer nationalen wehrtechnischen Basis spricht, was in den Bestandsschutz nationaler Rüstungsunternehmen mündet. Dass die deutsche Bevölkerung umgekehrt immer weniger Lust hat, diesen Anspruch durch vielfältige Unterstützungen und Subventionen zu finanzieren, stellt ein Problem dar. Die Regierung versucht es dadurch zu lösen sucht, dass Waffen hemmungslos exportiert werden dürfen. Die Gewinne aus den Exporten, so die Vorstellung, sicherten hierzulande die Möglichkeiten, auch weiterhin über modernste Technik zu verfügen. Die deutsche Regierung fördert die Fusionen nationaler Rüstungsunternehmen oder die "Zukäufe" im Ausland, um Betriebsgrößen zu erreichen, von denen sie ausgeht, dass sie einem internationalen Wettbewerb gewachsen sind.

Andererseits werden immer mehr kleine Firmen zu aktiven Teilnehmerinnen am Rüstungsmarkt. Es sind dies in erster Linie solche, die an speziellen, von großen Firmen bisher nicht entwickelten Technologien arbeiten, oder solche, die in kleinen Nischen als Zulieferer besondere Kompetenzen ausgebaut haben. Auch sie sind gezwungen, sich gegebenenfalls einem internationalen Markt zu öffnen, da der heimische entweder zu klein oder zu unterentwickelt ist, um ihre speziellen Produkte abnehmen zu können. Landesregierungen tendieren dazu, solche "Kompetenzträger" mit Vergünstigungen zu unterstützen. Oft mit dem Argument, regionale Hochtechnologie am "Standort" halten zu wollen, werden hier Milliarden in den Erhalt einiger weniger Arbeitsplätze gepumpt, obwohl es Alternativen gibt! Statt auf Konversion zu setzen und Firmen zu ermuntern, auf zivile Produktionen umzustellen, wird der Erhalt der Kriegszubehörindustrie gefördert.

Viele kleine Unternehmen, die selbst nur wenig technologische Kompetenzen aufweisen und so unter die "Zulieferer" fallen, werden im Laufe der weiteren Entwicklung verschwinden – sie müssen sich neue Märkte suchen: ein Potential für aktive Konversion also.

Der Blick auf die Karte zeigt: es gibt eine ganze Reihe von Firmen in Thüringen, die mehr oder minder intensiv mit der Rüstungsindustrie verbunden sind – die großen "Waffenproduzenten" hingegen fehlen.